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Polarkreis 09


Story 06 Matze

Wenn Träume wahr werden.

Wer zur Zeit auf der Suche nach frischen unverspurten und endlostiefen Powder ist, der wird ziemlich enttäuscht sein beim Blick in die Alpen. Ich bin auch immer auf der Suche nach dem besten Schnee und den noch besseren Lines. Aber ich sitze so entspannt vor grünleuchtenden Webcams, denn ich habe gerade mein Flugtiket nach Tashkent abgeholt.

Jaja Tashkent, die Hauptstadt von Usbekistan. Das Land der Seidenstraße und des Aralsees. Alles sehr schön, aber viel interessanter ist die Tatsache, dass es dort auch rießige Berge mit unendlich viel Schnee gibt. Und ich hab mir dort wieder einen Helikopter gemietet. Die Erinnerungen an meine erste Line in diesen unendlichweiten und großen Bergen ist nach fast einem Jahr noch so stark, dass ich nur beim Gedanken daran immernoch Gänsehaut bekomme.

Also, es war im März als ich mir ein Flugtiket besorgte und mich einer Gruppe Gleichgesinter anschloß. Geflogen bin ich über Moskau nach Tashkent. Der Flug verlief trotz einiger Bedenken ohne Probleme und reibungslos. Selbst die Maschinen waren ziemlich neu und gepflegt. Auch hat man ja manchmal etwas Bauchschmerzen auf Grund der Visageschichte, aber auch hier gabs keine Probleme. So nun betrat ich endlich früh um 3 Uhr usbekischen Boden und siehe da, alles funktionierte wie bestellt. Wir wurden von einem lokalen Kameraden, welcher sich die ganze Zeit um all unsere Wünsche kümmerte, abgeholt und wie versprochen in eins der besten Hotels von Tashkent, dem Palace gebracht. Dort schlief ich erst mal wie ein Baby. Nach einem ausgiebigem Frühstück drehte ich erst mal eine Runde um den Block und nahm erste Kontakte zur heimischen Kultur auf. Nach einem schicken Mittagessen begann der Transfer in die Berge. Nach ca. einer Stunde Fahrt erblickte ich die ersten schneebedeckten Berge und war von der grandiosen Kulisse überwältigt. Doch es sollte noch besser kommen, denn schon die Lobby des Hotels präsentierte sich in weißem Marmor und absolut Schick. Noch hinzu kommt die Lage an einem See mit Blick auf die wunderschönen Berge. Perfekt. Nach dem Einchecken wurden die Guides vorgestellt und ein ausgiebiges Briefing durchgeführt. Dazu gehörten die Verhaltensregeln beim Helboarden, sowie der Umgang mit der Sicherheitsausrüstung. Aber am wichtigsten für alle war wohl der Wetterbericht und der liebe Gott sollte es gut mit uns meinen. Der erste Tag Schneefall, der zweite und dritte Schön, dann wieder Schneefall und die letzten Tage nur Sonnenschein. Perfekt. Und noch besser war, das alles genau so eintrat. Also checkten wir den ersten Tag das lokale Skigebiet und bereiteten uns physisch und phsyhisch auf´s Heliboarden vor. Nach einem kräftigen Abendmahl ging auch jeder zeitig schlafen, denn man wollte ja fit sein.

Beim Frühstück waren alle schon ganz aufgeregt und fieberten dem Moment des Starts der Rotoren entgegen. Und dann war es soweit, mit einem tiefen Grollen hebten wir sicher ab und machten uns auf den Weg in die Erfüllung unserer Träume. WOW, wir flogen immer tiefer in die Berge hinein, die auf einmal immer größer wurden und jeder wuste, dass seine Erwartungen auf jeden Fall erfüllt werden würden. Nachdem der Heli uns abgesetzt hatte, wich das tiefe Grollen einer absoluten Stille und ich war vom Panorama überwältigt. Allein nur deshalb hätte sich die weite Anreise gelohnt. Rießige weite Hänge und wohin man schaut, alles weiß ...und niemand anderes ist da!!! Völlig zitternd vor Vorfreude mach ich die Bindungen zu und springe über eine 2 m hohe Wächte in den Hang. In den ersten Hang eines Runs, der ganze 6km lang sein wird und dabei eine Höhendifferenz von 2000m bewältigt. Die Hänge hier sind so gewaltig, dass selbst der letzte Fahrer nicht in Versuchung gerät, die Spuren der anderen zu kreuzen. Unglaublich, absolute Biglines und das bei athem-beraubendem Speed. Völlig gestoked warten wir am Ende das Hangs bis Alle beisammen sind und grinsen wie wild um die Wette. Doch diesem Hang sollten noch 5 weitere des selben Ausmases folgen, bevor wir uns absolut breit beim Heli einfinden. Und das war erst der 1.Run. Ich werde am Ende des Tages 6 Runs gefahren sein und dabei ganze 11000 Höhenmeter vernichtet haben. Der Hammer. Ein Sprung hier, ne Wächte da, eine schöne Rinne und immer wieder Biglines in feinstem Pulver. Am Abend hatte jeder seinen Traum absolut erfüllt gehabt und alle vorherigen Bedenken für immer gelöscht. Doch das macht süchtig. Gut das wir fette 30000 Höhenmeter gebucht haben. Und so sollte es den nächsten Tag weiter gehen.

Am Morgen erfuhren wir, dass es über Nacht Neuschnee gab und wir wahrscheinlich nur bis Mittag fliegen können, bevor es wieder Anfängt zu schneien. Also in den Heli und ruaf auf den Berg. Tja, was soll ich hier schreiben? Natürlich waren auch diese Runs der Hammer. Hinzu kam der frische Pulverschnee und jede Line war charakteristisch anders. Mittlerweile mutiert man auf Grund der langen Runs zum Profi (-: und jeder läßt es richtig krachen. Doch der Wetterbeicht stimmte und so flogen wir nach 4 Runs mit den aufziehenden Schneewolken gen Hotel. Am Nachmittag ist chillen in der Sauna angesagt. Wer es mag macht nen Termin beim Masseur und läßt sich mal richtig durchkneten. Morgen soll es schneien und wir planen eine Stadtbesichtigung in Tashkent. Da wir da nicht so fit sein müssen, fließt ne Menge Wodka am Abend und....

Nach dem Ausschlafen und Frühstücken geht’s zurück nach Tashkent. Dort erwartet uns ein deutschsprechender Usbeke, der mit voller Begeisterung uns seine Stadt vorstellt. Er läßt auch keine Kleinichkeit aus und so erfahren wir einiges über die Geschichte und Tradition dieses doch ziemlich schönen Landes. Nach einigen Denkmälern und Museen schlendern wir über den Mart von Tashkent. Das absolute Highlight der Stadt. Ein riesiger orientalischer Markt, bei dem man sich in die Zeiten aus Tausend und einer Nacht versetzt fühlt. Nach viel Kultur geht am Abend zurück in die Berge, wo schon ein Meter Neuschnee auf uns warten.

Nun heißt es wieder zeitig Aufstehen und ab in den Heli. Heute werde ich meinen persönlichen Besten Run haben. Zum Verständnis muß ich einiges erklären. Es werden hier mehrere Heligebiete angeflogen, wo jedes einzelne ein Größe vom gesamten Öztal hat. In diesem Tal fliegt man dann mehrere Gipfel an. Also z.B. fährt man mal von Hochgurl runter, dann von eine Gletscher in Sölden usw. Von diesen Gebieten gibt es hier ne ganze Menge und jedes ist charakteristisch anders. Mal steiler, mal durchwachsener, mal wilder und mal grandioser. Der Run von dem ich hier spreche, war in einem nicht anspruchsvollem ( im Vergleich zu den ersten Tagen) Gebiet und wer mich kennt, weiß dass ich lieber schnell und steil unterwegs bin. Aber hier war ich von der grandiosen Kulisse dieses Tales so überwätigt, dass ich völlig entspannt und gestoked 7 km gen Tal chruiste. Neben mir ging es fast allen so und deshalb nannten wir es „The Real Chillertal" . Nach drei solche Runs machten wir in dieser Kulisse Mittag und flogen in steileres Gebiet. Natürlich ließen wir es dort wieder richtig krachen. Wie der Abend verlief kann sich nach so einem Tag jeder selbst vorstellen.

Unser letzter Tag in den Bergen sollte ein würdiger Abschied werden. Hierbei flogen wir wieder in ein neues Gebiet mit einer ziemlich steilen Wand. Nach wieder hammermäßigen Lines neigten sich gegen Mittag unsere gebuchten 30000 Höhenmeter dem Ende zu. Also beschlossen wir den Rest etwas Ruhiger anzugehen und noch einen Run zum Preis einer Liftkarte nachzukaufen. Dieser allerletzte Run befand sich ganz versteckt auf dem Rückflug und war ein Geheimspot der Guides. Wir würdigten dieses Geschenk mit wunderschönen Lines. WOW. 31000 gefahrenen Höhenmeter in perfektem Pulverschnee. Was will man mehr.

Also Sachen gepackt und auf nach Tashkent. Zum Abend angekommen besuchten wir ein traditioneles Lokal mit gutem Essen und Musik. Man fand natürlich schnell ein Gespräch

mit der heimischen Bevölkerung und nach ein paar Brocken russisch gabs dann den Wodka auch umsonst. Da wir früh um 3 am Flughafen sein mußten um unseren Rückflug anzutreten, beschlossen wir noch ein nächtliches Lokal aufzusuchen und durchzumachen. Details hierzu gibt es nicht. Es sein nur soviel gesagt, ein grandioser Abschluß für eine grandiose Woche.

Wer sich jetzt wirklich fleißig bis hier her durchgelesen hat, dem müßte vollkommen klar sein, warum ich zur Zeit mit einem Grinsen auf den Lippen dem heimischem Wetterbericht lauschen kann.

MFG

PS: Warnung, ABSOLUTE SUCHTGEFAHR





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