
Wir haben es Mitte Januar und ganz Europa wartet auf den Schnee. Eigentlich müßte man in die Hänge der Alpen fette Lines zeichnen können, doch außer Geröllschieben und Pistenbügeln geht fast nirgends etwas. Um so mehr nervt das Warten auf den 21. Januar, den Tag, an dem uns die gute russische Aeroflot endlich zu den unverspurten, tiefverschneiten und grossen Hängen des Tien Shan bringt. Dort erhofften wir endlich unsere verstaubten Powderbrett'l ihrer Bestimmung zuzuführen.

Am Flughafen Scheretmetjewo II in Moskau trafen wir dann alle das erste Mal zusammen um dann gemeinsam nach Tashkent weiterzufliegen, denn der eine Teil startete von München, der andere von Berlin. Bis auf die langen nervigen Diskusionen am Schönefelder Flughafen wegen der ABS-Lawinenrucksäcke bzw. den Gaspatronen verlief die Anreise ganz glatt. Das unfähige und ungeschulte Sicherheitspersonal in Berlin hielt trotz unserer Vorlage ihrer eigenen EU-Bestimmungen zur Mitnahme der Rucksäcke diese für kleine Atombomben und hinderte uns nach mehreren Telefonaten durch alle Instanzen an der Mitnahme der Patronen. Komisch, von München aus gab es da nicht das kleinste Problem. Naja, das nächste mal schicken wir alle Rucksäcke nach München und geben es beim dortigen Flughafenpersonal auf.
Egal, wir wollen ja sowieso keine Lawinen auslösen.

In Tashkent angekommen wurden wir dann wie erwartet abgeholt und ins Resort gebracht. Dies ging diesmal erstaunlich schneller als das Jahr zuvor. Der Grund dafür war eine neue Straße, die uns direkt in die Berge brachte. Dort angekommen (08:00 Morgens) genehmigte sich jeder erstmal ein stärkendes Frühstück und ging dann schlafen. Am Abend vor dem Essen gab es dann das erste Briefing und den alles entscheidenden Wetterbericht. WOW, 4 Meter frischer fetter Powder, gutes Essen und super Hotel. Was will man mehr? Achja, Sonnenschein wäre nicht schlecht, damit der Heli fliegen kann. Der Wetterbericht sagte für den nächsten Tag strahlend blauen Himmel vorher und ab Mitte des zweiten Flugtages sollte es sich zu ziehen und schneien. Endlich, das war ein Wetterbericht wie wir Ihn seit Begin des Winters erwartet hatten, doch wir sollten unsere Meinung später ändern. Also Abendessen, Brett'l auspacken, noch eine kleine Piepserübung und dann ab ins Bett denn sobald es hell wird heißt es "Fette Lines Ziehen". Und so war es dann auch. Der Wecker klingelt, man geht zum Frühstück und ,WOW, was für ein Panorama. Jetzt weiß ich auch warum die Dinger Panoramafenster heißen :-).
Ein strahlend blauer See liegt ruhig vor einer Kette tiefverschneiter 3000er und nur wenige Meter vor unserer Haustür steht Sie, eine guterhaltene und gepflegte Mi8. Einer der besten Transporthubschrauber die je gebaut wurden.

Also schnell gegessen, auf's Zimmer sich umgezogen und ab zum Heliport. Bevor es an Bord geht wird erstmal das Equipment gecheckt und nochmal kurz der Umgang mit dem LVS-Gerät geübt. Aber dann gehen die mächtigen Rotoren an, alles fängt an zu wackeln und zu vibrieren und wir heben ab. Allein schon der Flug über die in tiefes weiß gehüllten Berge ist athemberaubend. Wir fliegen tief in die Berge hinein und nach ca. 20 Minuten geht die Tür auf und es heißt aussteigen.

Der Blick der sich nach dem Abflug der Mi8 ergibt ist einfach jede Mühe und noch so lange Anreise wert. Ein perfekter 35 Grad geneigter 500 Meter breiter Hang in dem hüfttiefer, trockener Pulverschnee liegt und das ganze auf fetten 2000 Höhenmetern. Tja,den werden wir jetzt verspuren. Aber Safety First, erst wird ein Schneeprofil gebuddelt und nach dessen Auswertung heißt es dann endlich "Feuer Frei". Ich droppe über eine kleine Wächte in den Hang, zieh den ersten Turn und, JEEEHAAAAA, der Schnee ist der Wahnsinn. Perfekter als perfekt, genau das hat meine ewig schneesuchende Seele gebraucht.

Ich laß es einfach laufen, die Turns werden länger, schneller und einfach Fetter. WOW, jetzt erstmal nach ca. 1000hm anhalten und den ganzen Input verarbeiten. Ich bin völlig breit, einer nach dem anderen kommt, zieht einen fetten Bremsturn und fällt einfach um. Ein Gekreische und Gegrinse, welches jede noch so fette Kifferparty in den Schatten stellt und...., wir sind noch nicht unten.
Das ganze geht heute noch 6 mal so, dann ist das Gebiet abgehakt und wir geschafft. Im Rausch hat nun jeder seinem Körper das Möglichste abverlangt und hat das Brennen in den Waden ignoriert. Ab ins Hotel, unter die Dusche und zum Abendessen. Zur Feier des Tages bestell ich mal eine Flasche guten russischen Wodka. Wie sich später rausstellen wird, werden wir noch einige Liter dieses Getränkes konsumieren müssen, denn der aktualisierte Wetterbericht verspricht intensiven Schneefall für die ganze nächste Woche.
Der Wecker klingelt früh um Sieben, der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Dicke Wolken hängen über den Bergen, aber unsere Guides drängen uns zur Eile, denn am Rand der Berge gibt es einige Hänge die noch Sonne versprechen und wenn wir Glück haben, schaffen wir dort heut noch 4-5 Lines. Also ab in den Heli und losgeflogen. Der Hang sieht nicht gerade lang aus, nur 600 Höhenmeter aber er ist im Ganzen sehr steil und voller Pulverschnee und verspricht ungeheueren Fahrspaß mit Wechtensprüngen, langen Turns, engen Rinnen und Slalom um den Bewuchs. Leider sind nur 4 Runs möglich bis es auch hier anfängt zu schneien. Also ab ins Hotel und Wodka bestellt.
Draußen schneit es mittlerweile schon seit Stunden dicke, große Flocken und der Parkplatz ist kniehoch eingeschneit. Die beste Zeit um Schneemänner bzw. -frauen zu bauen :-). Nach einer Flasche Wodka und einer riesen Schneeballschlacht mit den Angestellten des Hotels geht's ins Bett.
Heute heißt es ausschlafen, denn es schneit immernoch. Zwar nicht mehr so kräftig, aber zu stark zum Fliegen. So nun steht das Alternativprogramm zur Auswahl. Gewählt kann werden zwischen Stadtbesichtigung in Tashkent und dem Boarden in einem der 2 Skigebieten. Man sollte aber nicht den Fehler machen von gepflegten

Pistenverhältnissen der Alpen ausgehen. Es gibt zwar alte, aber gut erhaltene Sessel- und Schlepplifte, doch keine Pistenbullis in unserem Sinne. Das heißt also Tiefschneefahren auf der Piste. Nur ist die Sicht leider etwas diffus. Tja, zu unserem Pech verspricht der Wetterbericht immernoch keine Wetteränderung und es schneit einfach weiter.
Nachdem wir nun in Tashkent waren und uns auch die Pisten runtergestürzt haben, bemerkten wir ein Schild in der Hotellobby, das für Gotscha-spiele warb. Also dort angerufen und eine Stunde später robbten wir in Tarnanzügen und Gotschapistolen durch den mittlerweile hüfttiefen Schnee der usbekischen Berge. Alte zerfallene Häuser dienten als Kampfplatz und nach 3 Stunden anstrengensten Jagen und Gejagdwerden ist auch die letzte Kugel verschossen.

Und das ist auch gut so, denn wir können einfach nicht mehr unsere Beine aus dem tiefen Schnee ziehen. Vollkommen erschöpft geht es zum allabendlichen Ritual, essen und trinken. Es ist schon komisch, da sitzt man zu Hause, wartet auf den Schnee und hier schneits wie bei uns schon lange nicht mehr. Dummerweise rennt uns die Zeit davon, denn der nächste Tag ist unser letzter in den Bergen. Aber der Schneegott hat Erbarmen mit uns und gewährt uns am letzen Morgen Sonnenschein bis zum Nachmittag. Das ist unsere letzte Chance noch einmal unsere schon fast verkümmertren Seelen zu befriedigen und wir können es kaum erwarten bis die Rotoren endlich anfangen sich zu drehen. Leider scheint die Sonne nur am Rand der Berge und dicke Wolken lassen uns nicht weiter hinein zu den dicken, langen Lines. Aber Hauptsache Powdern, egal ob 2000hm oder 1000hm am Stück.

Die Tür geht auf, die Sonne scheint, die Schneekristalle funkeln und ich habe den besten Run meines bisherigen Boarderlebens. Ich bin noch nie so perfekten Schnee in Kombination mit Sonnenschein und Hangneigung gefahren. Und schon nach dem ersten Run hat jeder wieder ein fettes Grinsen im Gesicht. Das warten hat sich gelohnt!
Etwas wehmütig wird man dann schon, denn wir fahren nach Hause und hier liegt der Schnee des Jahrhunderts. Aber man kommt ja wieder und es sollte auch zu Hause nochmal fett schneien. Tja, nach einer dem Schneegott gebührend gefeierter Abschiedsfeier in einem Thaskenter Lokal geht's zum Flughafen und nach Hause. Außer das jeder schweren Herzens die Berge verläßt, verläuft die Heimreise unspecktakulär.
Man sieht sich ja im März 2006 wieder...(-;